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Ökologie im Textildruck

Viele Einkäufer von grossen Firmen sind heute angewiesen, ökologische und soziale Standards beim Einkauf von Textilien zu berücksichtigen. Das Thema ist vielschichtig und komplex und die Produktion von Textilien ist vielerorts immer noch ein dreckiges Geschäft – im wahrsten Sinne des Wortes.

Schadstoffbelastung in den Produktionsländern, aber auch bei uns

Schadstoffe in grossen Mengen gefährden die Gesundheit von Mitarbeitenden und die Umwelt. In den Textilien eingelagert und beim Waschen wieder gelöst, verschmutzen diese Chemikalien auch unsere Gewässer und Umwelt ohne von den Kläranlagen wieder herausgefiltert werden zu können. Dies darf uns weder als Firma noch als Mensch einfach egal sein.

Greenpeace macht in ihrer gross angelegten Detox Kampagne zu Recht darauf aufmerksam und brachte einige der grossen Textilhersteller zum Umdenken und Handeln. Doch der Wandel darf nicht bei der Produktion der Textilien Halt machen sondern gilt auch für uns Textildrucker und die Farbhersteller. In vielen Textildruckfarben, welche heute weltweit häufig verwendet werden, finden sich immer noch zu viele problematische Stoffe.

Ökologie ernst nehmen: Zertifizierungen und Greenwashing

Um sicherzugehen, dass die verwendeten Textildruckfarben die Umwelt nicht gefährden, sind Zertifizierungen ein gutes Mittel. Aber aufgepasst: nicht jedes Zertifikat deckt alle Bereiche ab und nicht jeder, der kein Zertifikat vorweisen kann, ist automatisch ein Umweltsünder. Oft sind kleinere Textildruckfirmen nicht in der Lage die aufwändigen und finanziell anspruchsvollen Zertifizierungen durchzuführen.

Fragen Sie deshalb nach:

  • Sind die Produkte, die der Textildrucker verwendet, bereits vom Hersteller zertifiziert?
  • Was tut der Textildrucker zusätzlich, um die Umwelt nicht unnötig zu belasten? Hat er zum Beispiel eine interne Kläranlage, um keine unnötigen Schadstoffe in die Umwelt abzugeben?
  • Verfügt der Textildrucker über Testberichte und Analysen seiner verarbeiteten Farben? Die meisten Textildrucker und Farbhersteller arbeiten heute mit dem Öko Tex 100 Zertifikat. Dieses muss allerdings regelmässig erneuert werden, was finanziell nicht für jeden Verarbeiter tragbar ist.

Einige Zertifizierungsstellen darf man durchaus auch kritisch hinterfragen. Oft sprechen Firmen in der Werbung von ökologischer und sozialer Verantwortung. Schaut man aber genauer hin, sieht man, dass es sich dabei nur um Marketingversprechen handelt, die in der Firmenkultur nicht wirklich gelebt werden. Hier spricht man dann von Greenwashing.

GOTS – Global Organic Textile Standard: Ökologie aus Prinzip

Weiter als das oben erwähnte Öko Tex 100 Standard geht die GOTS Zertifizierung. Diese ist bezüglich der erlaubten Schadstoffe und der sozialen Verantwortung bei der Ökologie in der Herstellung von Textilien noch höheren Standards verpflichtet und wird auch von Greenpeace empfohlen. Die Akademie für Textildruck in Deutschland bietet zu diesem Thema am Samstag, 1. April ein interessantes Tagesseminar zum Thema «Nachhaltigkeit: Zertifizierter Textildruck» an. Referent Thomas Moser, der seine eigene Druckerei nach den Vorgaben von GOTS zertifizieren liess, gibt Einblick in diese Standards und Praktiken.

Labels und Standards im Bereich Ökologie im Textildruck

Welches Zertifikat für welche Standards steht, welche Bereiche der Produktionskette einbezogen werden und welches Label wann und wo Sinn macht, ist oft schwierig abzuschätzen. Sich in der grossen Auswahl zurechtzufinden, scheint schwierig, wenn man nicht selbst schon ein Experte auf diesem Gebiet ist. Hier helfen NGO’s, welche diese Zertifikate kritisch durchleuchten und darüber Aufschluss geben, wie nachhaltig diese Labels wirklich sind. Eine gute Anlaufstelle dafür ist www.publiceye.ch – Hier finden Sie auch eine Übersicht mit Labels und Standards samt entsprechenden Einschätzungen der Clean Clothing Campaign.

Die Ökologie ist beim Textildruck erst am Anfang

Trotz vieler Bemühungen von NGO’s, Produzenten und Verarbeitern stehen wir noch ganz am Anfang eines Bewusstwerdungs- und Veränderungsprozesses. Und jeder trägt darin Verantwortung –  angefangen bei den Produzenten bis hin zu den Konsumenten. Nach wie vor sind es die Konsumenten, die die grösste Macht haben. Je mehr sie bereit sind, bewusst einzukaufen und auf umweltfreundliche und sozial verantwortungsvolle Produktion zu achten, desto stärker wird der Druck auf die Produzenten, diesen Forderungen gerecht zu werden. Auch wenn dies bedeutet, dass am Schluss ein minim höherer Preis bezahlt werden muss, lohnt es sich für diesen positiven Effekt etwas mehr Geld auszugeben.

Die Gesundheit ist unbezahlbar wichtig und wir haben nur diese eine Erde. Tragen wir beidem Sorge!

 

 

Stefan Meyer Permatrend AG

Zum Autor:

Stefan Meyer ist Mitglied der Geschäftsleitung von Permatrend AG und dort verantwortlich für die Produktionsleitung, IT & EDV sowie für das digitale Marketing. Nach einer Ausbildung zum Detailhandelsfachmann im Bereich Herrenkonfektion und einigen Jahren Berufserfahrung stiess er 1994 zum Team der Permatrend.

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